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Von Nunatakern und Himalaya-Profis

Da sind sie meine ersten echten Nunataker! Nunataker – ein Wort aus der Inuit-Sprache – bezeichnet in der Glaziologie einen isolierten, über die Oberfläche von Gletschern und Inlandeismassen aufragenden Felsen oder Berg. Eins der wenigen Fachwörter die ich nie vergessen konnte.

Als Hochgebirgsgeomorphologe an der Uni Göttingen, als unabhängiger Forscher und seit einigen Jahren als Kreativer und Filmproduzent, habe ich mich intensiv mit den Herausforderungen von Klimawandel in den Hochgebirgen beschäftigt. Lange Zeit habe ich mich dabei auf den Himalaya fokussiert (wo es eigentlich keine richtigen Nunataker gibt). Ich konnte dort aber – genau wie in den Alpen – viele dramatische Veränderungen in sehr kurzen Zeiträumen beobachten. Schnell wurde mir klar, dass nicht nur Wissenschaftler darüber Bescheid wissen sollten sondern eine breite Öffentlichkeit. So entschloss ich mich der Uni den Rücken zu kehren und die Berichterstattung über Wandel in den Vordergrund meiner Arbeit zustellen.

Seitdem versuche ich mich über meine Projekte, mittels einer emotionalen und ästhetischen Vermittlung von Wissen, für die Erhaltung von Naturräumen und für ein globales Miteinander einzusetzen. Das sind die Dinge die unser Planet meiner Meinung nach am meisten braucht. Von Anfang an unterstützt mich dabei regelmäßig VAUDE.

Im Herbst 2017 bekam ich den Auftrag für eine Lehrfilmproduktion über Eiszeiten, eine für mich neue Region – die Arktis – kennenzulernen. Mit VAUDE hatte ich besprochen die neue Skarvan Trekking-Serie zu testen. Nun war ich mit einem Kameramann und Fotografen und einem vollem Rucksack für eine Woche in Südgrönland unterwegs. Für VAUDE nutzten wir die Zeit, um auch noch eine Video-Anleitung zu drehen.

Auf zu neuen Horizonten – Auf in die Arktis

Mitte September ging es nach Nasarsuuaq. Einen kleinen Ort, mit nicht einmal 500 Einwohnern, aber einem internationalen Flughafen mit Flügen nach Island und Dänemark. Ein perfekter Ausgangspunkt für Erkundigungstouren zum Inlandeis und in die beeindruckende Fjordlandschaft.

Schon der Flug über das Grönländische Inlandeis war beeindruckend. So ähnlich müssen die Alpen während der Eiszeit ausgesehen haben. Nur einzelne Kammverläufe und Gipfelspitzen ragen aus dem viele hundert Meter mächtigen Eisschild heraus. Die Inuit haben für diese komplett von Eis umflossenen Bergspitzen den Begriff Nunataker gewählt: ein witzig klingendes Wort. Und ganz schön spannend wie ich finde, denn wenn man die Zusammenhänge verstanden hat fällt es nicht schwer, sich das Matterhorn vor 20.000 Jahren auch als einen solchen Nunataker vorzustellen der nur ganz oben aus dem Eis rausgeschaut hat. Ich finde es ziemlich beeindruckend, wenn man sich überlegt welche krassen Auswirkungen Temperaturveränderungen auf unseren Planeten haben. So beeindruckend ich die Natur finde, so beängstigend finde ich, dass wir Menschen so starken Einfluss auf die Klimaerwärmung nehmen. Gerade hier in der Arktis ist das so deutlich zu sehen, wie an kaum einem anderen Ort.

Ich bin da ganz an der Seite von VAUDE und denke, dass wir wirklich alle Verantwortung übernehmen müssen! Ich hoffe, dass dieser kleine Beitrag hier ein bisschen dazu beitragen kann.

Doch zurück zu den Nunatakern: Mindestens so beeindruckend wie die Eiszeit-Landschaft des Inlandeises sind die mächtigen Auslass-Gletscher an der Küste, die häufig direkt ins Meer kalben. Man erkennt durch die zahlreichen offenen Spalten die enorme Fließdynamik des Eises. Das Gewicht des in der Eismitte fast 3km mächtigen Eischildes drückt das Jahrtausende alte Eis durch Fjorde kanalisiert ins Meer. Hier bricht es ab. So finden sich dicke Eischollen und Eisberge in den Buchten.
Die Steilen Fjordwände in Skandinavien wurden übrigens auch alle durch Gletschereis geschliffen – fast so wie das Matterhorn. Spannend, oder?

Der Skipper eines von uns gecharterten kleinen Motorboots erzählt mir, dass die Gletscherzunge immer weiter zurückweicht. Auch wird der Sommer seiner Erzählung nach immer länger. Es wird also wärmer.

Jetzt zu Beginn des Herbstes liegt die Schneegrenze noch einige hundert Meter über dem Meeresspiegel. Man erkennt gut, dass ab etwa 500m Höhe eine geschlossene Schneedecke die Spalten verdeckt. Schnell wird es kälter und ganz bald kommt der lange Winter. Wir sind noch genau richtig, um die Farbenvielfalt des Herbstes zu genießen. Südgrönland ist definitiv ein perfektes Trekking- und Outdoorgelände: Indian Summer, glasklares Wasser, Nordlichter, Meer, Berge, Eisberge. Was will man mehr? Perfekt wäre es wenn man hier noch by fair means also ohne Flugzeug sondern mit Segelboot und hinkommen würde.

Mit diesem Vorsatz kehre ich nach Deutschland zurück. Ein nächstes Projekt wird mich zurück in die Arktis bringen. Dann by fair means, denn auch mein Carbon-Footprint beschleunigt den Klimawandel. Vielleicht bringe ich ja auch dann wieder ein Lehrvideo für VAUDE mit.

Text: Hannes Künkel
Fotos: Fabian Klindt

 

Bildergalerie:

 

One Comment
  1. 4 months ago by Manni
    wow! Grönland. Wie Island nur größer. :D
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