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Überhitzes Mittelalter, tiefe Kerben und ein Gorilla weniger

Nachdem sie den Balkan, die Türkei, Georgien und Aserbaidschan durchquert haben, erreichen die Pasta Gorillas den Iran. Was sie bis dorthin und im Iran selbst erlebt haben, erfahrt ihr auf dem Blog. Die vielen Eindrücke hinterlassen aber auch Spuren. So beschließt Felix, dass er das Trio am 85. Tag der gemeinsamen Reise verlässt. Seine Stellungnahme findet ihr hier unten. Aber keine Sorge, Nico und Julian setzen die Reise nach Tokio mit ihren Zweirädern fort und berichten auch weiterhin über ihre Erlebnisse.

Land Nr. 12 – Iran, nach 5.381km ist Teheran erreicht.

Die Tage waren gespickt mit tollen Erlebnissen, bunten Abenteuern und vielfältigen Eindrücken. Wir haben unglaubliche Gastfreundschaft erfahren, neue Freundschaften geschlossen und prägende Erfahrungen gesammelt. Mittlerweile sind rund drei Monate voller Impressionen vergangen, Zeit zur Reflektion, Zeit, um die bisherige Reise Revue passieren zu lassen.

Motiviert durch meine persönlichen Intentionen wie dem Freiheitsdrang, der Selbsbestimmtheit oder dem Verlangen nach multikulturellen Begegnungen, hatte ich mich voller Abenteuerlust auf den Sattel geschwungen. Ziel war es, neben dem „Ortsziel“ Tokio, bei einem angemessen Reisetempo, Zeit für sich selbst zu finden, den Kopf frei zu bekommen und die Zeit intensiv und bewusst zu genießen.

Das Fahrrad als Reisemobil hat in jedem Fall viele Vorteile. Allerdings darf die Gruppendynamik im Team nicht unterschätzt werden. So zeigten sich bereits zu Beginn unterschiedliche Fitnesslevel. Anfangs kein Problem, aber mit den fortschreitenden Wochen wurde es zäh, ich schaffte es oft nicht aufzuschließen, das Reisetempo forderte mich zunehmend physisch als auch psychisch. Mehr und mehr überrannte mich ein Gefühl der Eile. Hinzu kam, trotz vielen interessanten Begegnungen, die Alltagsroutine, welche sich wohl aus den täglich auferlegten Aufgaben erklärt. Mit der Alltagsroutine hielt auch das Gefühl der Fremdbestimmtheit Einzug.

Zusätzlich machte mir die fehlende Privatsphäre zu schaffen. Ich bekam den Kopf nicht frei, konnte mich nicht entfalten und war in mich gekehrt. Zunehmend schlich sich bei uns allen Unzufriedenheit ein. Viele Gespräche miteinander zeigten oftmals gegenseitiges Verständnis. Wir diskutierten mögliche Lösungswege, Strukturen und Art der Reise. Die gelebten und gesetzten Strukturen entsprachen allerdings nicht meinen persönlichen Intentionen. Das Gedankenkarussell begann sich unaufhörlich zu drehen.

Nachdem ich meine Gedanken sortiert und mehrfach reflektiert hatte, musste ich feststellen, dass dies nicht meine Reise ist und wir es leider nicht schafften, diese Reise zu unserer zu machen.
Also habe ich schlussendlich beschlossen, in Teheran auszusteigen. Es macht für mich wenig Sinn, die Reise fortzuführen, wenn sie mich nicht erfüllt. Es hat Mut erfordert diese Reise mit dem Ziel Tokio zu beginnen. Aber noch viel mehr Mut hat es mich gekostet, die Reise vorzeitig zu beenden.

Tatsächlich hat sich nach meiner Entscheidung ein Gefühl der Erleichterung eingestellt und ich freu mich jetzt auf meine Freundin und meine Familie. Ich danke Julian und Nico für die Erfahrung und Erkenntnisse zu dieser Art der Reise. Für mich hat sich herauskristallisiert, dass die eigentliche Challenge nicht im Entfliehen des Alltags, sondern vielmehr in der Gestaltung und Lösung unserer „Luxusprobleme“ liegt. Die wohl wichtigste Erkenntnis liegt für mich persönlich in der Wertschätzung meines Heimatlandes und dass es in der eigenen Hand liegt, selbstbestimmt zu leben.

Trotz allem bin ich enttäuscht, dass wir nicht gemeinsam als Trio in Tokio ankommen. Ich bin mir aber sicher, dass Julian und Nico noch vielen Abenteuern auf ihrer Reise begegnen werden. Mein Dank gilt insbesondere auch den Sponsoren für ihre Unterstützung durch ihr professionelles Equipment.

Jungs, macht es gut und passt auf euch auf!!
Und an alle Follower: stay tuned and stay challenged

Text: Felix Sailer
Fotos: Pasta Gorillas

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