Scroll to top
 
 

Supertrails der Alpen – 10 Trails, die sich mit dem E-MTB ganz besonders lohnen

Viele Wochen sind wir durch die Alpen getourt, auf der Suche nach den besten Trails. Lang sollten diese Pfade sein. Nicht gebaut, und durch epische Landschaften sollten sie führen. Dafür haben wir uns auf mehrere Roadtrips begeben, haben diverse prominente Enduro-Spezialisten nach ihren Lieblingstrails befragt und Locals um ihre Geheimtipps bekniet. Heraus kam eine Sammlung aus 40 echten Supertrails zwischen Ötztal und Nizza. Hier nun eine kleine Auswahl von zehn Trails, die sich mit dem E-MTB ganz besonders lohnen.

  1. Mont Chaberton
  2. Lago di Sette Colori
  3. Monte Tamaro
  4. Dalco
  5. Piz Umbrail
  6. Similaun
  7. Passo Zebrù
  8. Tremalzo
  9. Engelberg, 4-Seen Tour
  10. Madritschjoch

Wir starten in den Westalpen, hier haben wir gleich zwei Trails, die fast nebeneinander und doch total unterschiedlich sind:

Piemont: Mont Chaberton

„König der Alpen“ wird der Mont Chaberton an der französisch-italienischen Grenze auch genannt. Zum Einen, weil auf seinem 3.131 Meter hohen Gipfel eine Militäranlage thront, die von unten wie eine Krone aussieht. Und zum Anderen, weil man mit dem Bike in den Alpen definitiv nicht höher klettern kann. Ein Anstieg, der sogar mit E-Motor zur Schinderei mutiert: fast 2.000 Höhenmeter lang geht’s auf steilen, ausgesetzten und grob gerölligen Schotterkehren bergauf. Doch der Anstieg lohnt, denn oben klettert man auf den acht Geschütztürmen aus dem Ersten Weltkrieg herum, blickt in gigantisches Panorama und darf sich am Ende auf eine recht anspruchsvolle Abfahrt nach Claviere hinunter freuen.

32,2km, 1.945hm, 1.945tm

 

Piemont: Lago di Sette Colori

Gleich gegenüber des Mont Chaberton warten die Monti della Luna mit einem Kontrasterlebnis auf: dem Lago di Sette Colori-Trail. Bergauf helfen Seilbahn und Sessellift des Bikeparks Montgenevre, bergab surft man hier auf feinsten, griffigen Flowtrails erst durch eine hügelige Wüstenlandschaft bis zum kleinen Lago di Sette Colori und am Ende auf einer nicht enden wollenden Märchenwald-Achterbahn wieder ins Tal zurück. Das besondere Highlight für E-Mountainbiker: Direkt nach dem See lauert ein extrem steiler Stich zum Col Saurel hinauf – Normal-Biker fluchen über diese gemeine Schiebepassage, E-Biker schalten dagegen einfach in den Sport-Modus. Der wohl schönste Naturtrail der Westalpen!

19,3km, 398hm, 1.094tm

 

Tessin: Monte Tamaro

Zwischen Lago Maggiore und Luganer See zieht sich ein unscheinbarer, 2.000 Meter hoher Bergrücken dahin: der Monte Tamaro. Doch, dass die Aussicht von dort oben gigantisch sein muss, verrät schon der große Rummel am Seilbahn-Parkplatz. Eine Wanderer-Karawane zieht sich auch auf den letzten Schotter- und Trail-Kehren von der Gipfelstation der Seilbahn bis zum Gipfel hoch. Da kommt selbst mit dem E-Bike nur stockender Uphill-Flow auf. Erst nach der Capanna Tamaro trennen sich unsere Wege. Die Wanderer klettern weiter rechts dem Gipfel entgegen und wir biegen links auf den Trail ab, der uns auf die einsame Seite des Berges führt. Ein Trail, der nicht aufhören will. Anspruchsvoll, geröllig zu Beginn, dann feingekieselt, plötzlich Haken schlagend, Stufen aufwerfend, dann wieder einlullend dahinziehend. Weiter im Wald: Sanft, mosig, wurzelig, aber auch ausgesetzt und steinig fordernd. Unterwegs fragt man sich mehrfach, ob diese Superabfahrt jemals endet. Sie tut es – und zwar nah am Ufer des Luganer Sees. Hier kann man noch mal ins Wasser hüpfen, bevor man die 22 Kilometer zum Auto zurück rollt. Mit dem E-MTB ja nur halb so wild.

39km, 588hm, 1.582tm

 

Gardasee: Dalco

„Nur wer den Dalco kennt, kann beim Thema schwere Abfahrten mitreden”– so umschrieb Kult-Tourenguru Elmar Moser diesen Trail bereits Anfang der 90er Jahre. Daran hat sich bis heute kaum etwas geändert. Nur dass die steilen Schotterrutschen durch Erosion noch schwieriger, und die ausgesetzten Stellen noch gefährlicher geworden sind. So ist der Trail damals wie heute nur für hart gesottene Fahrtechnik-Spezialisten. Für E-MTB-ler ist die Runde – von Limone aus über das steile Val Signol – auch schon bergauf eine Herausforderung. Eine Schotterrampe, so steil dass man mit steigender Front kämpft, ist nur der Anfang – und ohne Motor nicht zu schaffen. Der folgende Serpentinenpfad bis fast hoch zum Passo Nota fordert selbst Profi Stefan Schlie. Auf der legendären Abfahrt kann man traumhafte Blicke auf den nördlichen Gardasee genießen – allerdings nur wenn man zur Sicherheit dabei schiebt.

19km, 1.400hm, 1.380tm

 

Gardasee: Tremalzo

Der zweite Lago-Klassiker. Dieser besticht durch das Wahnsinns-Panorama und den anschließenden Rocchetta-Trail bergab. Bergauf lässt es sich gut shuttlen oder mit Motor auch selber hochkurbeln. Scheitelpunkt der Tour ist für alle der 2.862 Meter hoch gelegene Tremalzo-Tunnel. Dahinter wickeln sich die berühmten Schotterkehren der alten Militärstraße hinunter. Ein Anblick, für den man kurz stehenbleiben muss. Ab dem Rocchetta-Pass geht’s schließlich auf richtigem Trail weiter bergab. Achtung, Gegenverkehr! Der Trail ist auch bergauf ein Highlight – grade auch für E-MTB-Fahrer. Unten kann man sich entscheiden, ob man die gemütliche Variante oder lieber den Trail für ambitionierte Fahrtechniker wählt. Der Pluspunkt für E-MTBler: Man kann sich auf dieser Klassiker-Tour den Shuttle sparen und hat dafür diverse Varianten bergauf zu Auswahl.

26,1km, 349hm, 2.009tm

 

Val Müstair: Piz Umbrail

Hier würde uns die Energiebilanz zwischen „normalem“ Bike und E-MTB interessieren. Ab dem Umbrail-Pass startet direkt ein technischer Trail, der sich die Wiesen hinauf zieht. Das Terrain ist anspruchsvoll, das „normale“ Bike wird man hier viel tragen. Doch dann folgt eine Kletterpassage durch eine Felswand. Zum Teil seilgesichert. Das schwerere E-MTB bugsiert man hier teils besser zu zweit bergauf. Insgesamt ist die Wuchterei aber überschaubar und machbar. Dann die Belohnung vom 3.033 Meter hohen Piz Umbrail: der Ausblick auf das nahe Stilfserjoch, die gesamte Ortlergruppe und den Abfahrtstrail ins Val Müstair zurück. Der Trail startet mit ein paar rutschigen Schotterkurven, dann rollt es bis zum kristallklaren Gebirgssee nur so dahin. Nach dem See wickeln sich noch einmal sehr ausgesetzte Kehren die nächste Geländekante hinunter ­ – doch dann mischt sich immer mehr Fahrspaß in die Trailkurven. Es geht quer durch Wiesenhänge, am Bach entlang und am Ende sehr genial durch den Wald bis nach Sta. Maria hinunter.

14,3km, 586hm, 1.651tm

 

Ötztaler Alpen: Similaun

Zweimal über den Alpenhauptkamm – das ist auch mit dem E-MTB kein Spaziergang. Zwei Tage lang gibt es am Similaun und am Hochjoch bergauf wie bergab viel zu schieben und zu tragen. Doch allein das landschaftliche Naturerlebnis ist jede einzelne Strapaze wert. Von Vent, am Ende des Ötztals, starten wir auf breitem Schotterweg zur Martin-Busch-Hütte. Dann machen Steinbrocken und Wasserrinnen den Weg zunehmend schwerer – dank E rumpelt man hier aber noch ein gutes Stück drüber weg. Doch am Ende zieht sich der Trail einfach zu steil und felsig bis zur Similaun-Hütte hoch. Schieben ist angesagt. Der Gletscherblick, der mit jedem Schritt noch schöner wird, unterhält bis zur Unterkunft am Pass jedoch prächtig. Der nächste Morgen startet mit einer Abfahrt, die nur die versiertesten Biker komplett fahrend meistern. Alle anderen schieben etwa 300 Tiefenmeter und tasten sich in den anspruchsvollen Trail langsam hinein, sobald seine Kehren nicht mehr so ausgesetzt den Hang schneiden. Vom Vernagt Stausee bergab wendet sich die Route nun wieder dem Hauptkamm zu.  Eine sacksteile Schotterpiste stiert von Kurzras bis zum Hochjoch hinauf. Doch die Schieberei ist am 2.520 Meter hohen Pass noch nicht beendet. Auch der Trail nach Vent zurück bleibt eine Herausforderung. Verblockte und ausgesetzte Abschnitte zwingen immer wieder zum Absteigen. Ein echter Härtetest für Körper, Psyche und Material.

46,3km, 2.594hm, 2.594tm

 

Alta Rezia: Passo Zebrù

„Völlig ungeeignet fürs E-MTB“ warnten uns Locals. Klar, dass wir es genauer wissen wollten – und um es gleich vorweg zu nehmen: Die Tour ist ein absolutes Highlight mit E.

Um Akku zu sparen setzen wir uns allerdings in S. Caterina auch in den Shuttle und pedalieren wie alle anderen erst am Rifugio Pizzini los. Ein rumpeliger Weg führt uns durch eine Almwiese bergauf. Nur mit E und fahrtechnischem Geschick meistert man diese Passage im Sattel. Das Geröllfeld lässt sich schon schwieriger kurbeln – und am Fuße eines letzten, steilen Zickzackbandes müssen auch wir absteigen. Die Abfahrt vom 3.005 Meter hohen Pass beginnt mit ein paar schottrig-sulzigen Kurven in einem ehemaligen Gletscherbett, dann queren wir eine eindrucksvolle Hochebene und stehen plötzlich vor einem Geländeabbruch: Etwa 50 Tiefenmeter müssen wir uns in dieser Felswand hinunter lassen. Ein Sicherungsseil hilft aber dabei. Dahinter geht es in sanfterem Gefälle weiter, dafür schneidet der Trail die Bergflanke nun ausgesetzter und klettert ein paar mal durch Bachbetten. Allein landschaftlich zieht diese Tour alle Register!

31,4km, 298hm, 1.852tm

 

Zentralschweiz: Engelberg, 4-Seen Tour

Felsstürze, Sintfluten und Gletscherwalzen formten einst die Landschaft rund um das heute so beschauliche Engelberg in der Zentralschweiz. Und diese große Runde gibt einen Eindruck davon wie die Naturgewalten hier einst gewütet haben. Auf idyllischem Waldpfaden geht’s durch die enge Schlucht des Aa-Wasser-Tobels bis zum Vierwaldstätter See. Per Shuttle kürzen wir die Westflanke des Bergmassivs ab und steigen anschließend in die Gondel zur Oberen Frutt. Hier durchqueren wir die Bilderbuchlandschaft von Melchsee, Tannsee und Engstlensee und kommen dabei dem Eispanzer des Titlis fast zum Greifen nah. Ein uriger Sessellift hievt uns zum Jochpass hinauf, wo die finale und abwechslungsreiche Abfahrt nach Engelberg beginnt. Erst auf flowigen Bikepark-Kehren, dann flach durch die Wiese und schließlich ruppig steinig diverse Geländekanten durch den Wald hinunter. Dank E-MTB kann man sich einige – in der Schweiz nicht ganz billige – Shuttle-Abschnitte gut einsparen.

43km, 327hm, 1.988tm

 

Madritschjoch

Das Madritschjoch auf 3.123 Metern ist der höchste mit dem Bike erreichbare Pass der Ostalpen. Berüchtigt für seine extrem steilen Schotteranstiege, geliebt für seine spektakulären Blicke auf Ortler, Zebrù und Königsspitze. Mit dem normalen Mountainbike ist der Anstieg zum Pass nur für absolute Cracks komplett fahrbar. Selbst mit dem E-MTB mutiert diese Tour zur echten Herausforderung. Von Sulden zur Schaubachhütte hinauf nimmt man daher am besten die Seilbahn. Und selbst von hier oben braucht man noch einen vollen Akku und genug Dampf in den Beinen. Über die Geröllhalden der Skipisten walzt man hoch zur Passhöhe. Wer bis ganz oben nicht abgestiegen ist, darf sich auch mit E zur Crème de la Crème der Uphill-Artisten zählen. Als Belohnung wartet die 2.000 Tiefenmeter lange Abfahrt über die Zufallhütte das gesamte Martelltal hinunter. Ein abwechslungsreicher Downhill, auf dem man einen halben Tag gut beschäftigt ist.

32,1km, 683hm, 2.603tm

Die Höhenprofile und GPS-Daten zu den Trails, sowie alle Infos zu den anderen Trails findet ihr im Buch „Die 40 Supertrails der Alpen“ von Gitta Beimfohr und Markus Greber, Preis: 29,95 Euro, Delius Klasing Verlag, www.delius-klasing.de

Bildrechte: Markus Greber

Comments

Write a Comment

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

* These fields are mandatory

Related Posts

… fast wie zu Hause, was für ein tolles Gefühl …

Vor zwei Wochen waren wir gestartet, damals noch luxuriös und mit allen Annehmlichkeiten, die ein in Mitteleuropa aufgewachsener Menschen so kennt. Damals … hört sich das lange an. Aber es lagen vielleicht auch Welten dazwischen, seit wir vor zwei Wochen in der Atacama-Wüste gestartet waren.

Raid VTT – Les Chemins du Soleil

Es war wieder soweit, das Rennen, das meinen Horizont erweitert hat, stand wieder an: “Les Chemines du Soleil”

Vertriding 2.0 – Variety Mountainbiking

Gerhard Senfter, Downhill Racer, Freerider und Urgestein der Innsbrucker Vertriders-Szene in seinem teils atemberaubenden Element. Schauts euch das mal an…

Überhitzes Mittelalter, tiefe Kerben und ein Gorilla weniger

Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. Wenn es eine Reise von München nach Tokyo per Rad ist, erst Recht. Einfach ist das nicht und auch nicht jedermanns Sache…

Show more