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VAUDE Produktmanagerin Alisa Focke: „Einen klassischen Arbeitstag kenne ich nicht“

Die Fahrradbranche ist klimafreundlich, nachhaltig, zukunftsorientiert, aber (noch) nicht weiblich. Dabei bietet sie für Frauen verschiedene Berufsfelder, die über die traditionelle Fahrradmechanikerin hinausgehen.

Einen klassischen Arbeitstag kennt Alisa Focke, Produktmanagerin für Fahrradbekleidung, nicht. „Und das ist auch das Schöne an meinem Beruf – mein Tag ist wahnsinnig vielfältig“, sagt die 32-Jährige, die aus dem Thüringer Wald stammt. „In unserer Abteilung haben wir sehr viele Schnittstellen und wir arbeiten mit mehreren Teams zusammen: Technik, Design, Material, Schnitt, Innovation und Marketing sowie Vertrieb.“ Was ebenfalls dazugehört: „Mit Endkunden austauschen, Händler besuchen, Prototypen testen“ und somit zur Qualitätssicherung der Produkte beizutragen. Den typischen Arbeitsalltag gibt es also nicht. Außerdem kennen die Produktmanagerin und ihre Kolleg:innen im baden-württembergischen Tettnang nur zwei Jahreszeiten: Sommer und Winter. „Wir haben jetzt die Kollektion für den Sommer 2022 verabschiedet. Der Winter 2022 ist gerade in der Entwicklung und der Sommer 2023 bereits strategisch in der Planung.“ Vorausblicken und die Trends von morgen schon heute erkennen ist deshalb ein wichtiger Teil ihres Berufs.

Sport spielt eine wichtige Rolle

Sport spielt schon „seit Ewigkeiten“ eine wichtige Rolle für Alisa Focke. Als Jugendliche betrieb sie Biathlon als Leistungssport und fand dadurch schon früh Bezug zum Radsport, der in Form von Mountainbiken und Rennradfahren gern als Sommertraining eingesetzt wird. Nach ihrer Zeit an der Sportschule stand für Focke schnell fest, dass sie auch beruflich dem Sport verbunden sein möchte. Sie absolvierte anschließend ein Sportmanagement-Studium in Leipzig. „Bei der Wahl habe ich dann an das Berufsfeld Sportartikelhersteller gedacht“, sagt Focke. Und so ist es dann auch gekommen. Nach Stationen in Österreich und der Schweiz ist Alisa Focke „sehr froh, als Produktmanagerin für einen Teil der Bike-Bekleidung bei Vaude zu arbeiten. Hier kann ich meine Leidenschaft voll ausleben, Produkte zu entwickeln und zu testen.“ Auch in ihrer Freizeit kommt Alisa Focke in der Region voll auf ihre Kosten: Mountain- und Gravelbiken, Skirollern, Bergwandern, Skitouren und natürlich weiterhin Langlauf im Winter.

Vaude nimmt bundesweit eine Vorreiterrolle ein, was die Gleichstellung von Frau und Mann, flexible Arbeitszeiten und betriebliche Versorgung betrifft. „Das habe ich eigentlich erst beim Bewerbungsgespräch so richtig wahrgenommen“, sagt Alisa Focke. Nämlich als ihr dort gesagt wurde, dass der Frauenanteil bei Vaude höher als der Männeranteil sei. „Da bin ich fast vom Glauben abgefallen, das kannte ich so nicht.“ Generell sei der Bereich Bekleidung stärker von Frauen geprägt, während Männer eher im Sales oder im Hardware-Bereich arbeiteten. „Frauen, oder eigentlich Eltern insgesamt, wird es bei Vaude leicht gemacht.“ Es gibt einen Betriebskindergarten und eine sehr hohe Flexibilität, was die Arbeitszeit zum Beispiel bei einer Wiedereingliederung betrifft. Das mache beispielsweise die Familienplanung einfacher. „Ich denke, so würden sich das viele Menschen wünschen“, meint Focke. Gerade in der Schweiz, wo sie zuvor einige Zeit gearbeitet hat, herrsche größtenteils noch ein traditionelles Rollenverständnis. „Es gibt wenige Ganztagsschulen und Kitas sind sehr teuer, sodass man sich eher dafür entscheidet, zuhause zu bleiben.“ Zwar werde dort in Unternehmen auch darauf geachtet, Diversität in die Teams zu bringen, „aber das ist nicht so fortgeschritten wie bei uns.“

„Das Stereotypendenken aufbrechen“

Und was hält sie von einer Frauenquote? Eher wenig. „Unternehmen sollten sich intern eine Zielsetzung einräumen“, findet Alisa Focke. „Wenn eine bestimmte Prozentzahl an Frauen in einem Betrieb erreicht werden soll, diskriminiert das ja auch in die andere Richtung.“ Viel wichtiger sei, dass jede und jeder dieselbe Chance auf eine Position haben sollte, und dass auch Männer in Elternzeit gehen können. „Das Stereotypendenken muss weiter aufgebrochen werden, doch dafür müssen auch die Rahmenbedingungen stimmen“, sagt die 32-Jährige. So sei ihre Mutter zum Beispiel bereits früh nach ihrer Geburt wieder arbeiten gegangen, „aber es gab auch Betreuungsangebote und niemand wurde dafür schief angeguckt, sein Kind früh in die Krippe zu geben“, so Focke. „Jeder hat dazu eine unterschiedliche Meinung und jede sollte erlaubt und umsetzbar sein.“

Dieser Beitrag erschien zuerst beim pressedienst-fahrrad, der in einer Serie ausgewählte Berufe aus der Zweiradbranche und die Frauen dahinter vorstellt.

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