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Tipps für nachhaltige Skitouren mit Rücksicht auf die Natur

“Hinterlasse keine Spuren außer deinen Fußabdrücken – nehme nichts mit nach Hause außer Erinnerungen (und deine Abfälle)” – dieses Credo gilt für alle Outdoorsportarten. Auf Skitour durch eine frisch eingeschneite Winterlandschaft kann man sich die Bedeutung dieses Satzes besonders gut bewusst machen. Die Schicht aus Neuschnee lässt die Natur geradezu unberührt wirken und die Abdrücke, die wir im Schnee hinterlassen, sind deutlich sichtbar. Doch welche Spuren hinterlassen wir sonst noch? Übertragen auf unseren ökologischen Fußabdruck lautet die Frage: wie können wir unsere Ökobilanz auf Skitour positiv beeinflussen? Ein paar Tipps, wie du deine Skitouren möglichst nachhaltig gestalten kannst, haben wir hier für dich zusammengestellt. 

„Leave no trace other than your footprints – take nothing home but memories (and your waste)“.

Mach den Selbstcheck: “Wie nachhaltig ist deine Skitour?”

Wir möchten, dass du Freude auf deiner Skitour hast und dein Bewusstsein für das eigene Verhalten draußen in der Natur schärfst. Wie gut du dabei schon bist, kannst du schnell selbst überprüfen, indem du dir die folgenden Fragen zu Anreise, Tourenplanung und dem richtigen Verhalten auf Tour einfach selbst beantwortest. Viel Spaß beim Selbst-Check!

Eine Gruppe Skitourengeher auf dem Weg zum Gipfel
Der Weg ist das Ziel: Das gilt von der Anreise, über den Aufstieg bist zur verdienten Abfahrt. Bild: Torsten Wenzler

Anreise: Wie komme ich umweltfreundlich in die Berge?

  • Welche Möglichkeiten gibt es, mit dem öffentlichen Nahverkehr anzureisen?
  • Könnte ich, wenn nur das Auto in Frage kommt, eine Fahrgemeinschaft nutzen oder selbst eine anbieten?
  • Parkplätze in Wintersportregionen sind begrenzt. Kann ich meine Autoanreise evtl. mit dem ÖPNV kombinieren?

Tourenplanung: Wie wird die Skitour möglichst naturverträglich?

  • Kenne ich die Empfehlungen von Bergsport-Verbänden wie z. B. die DAV-Tipps „Natürlich auf Tour”?
  • Gibt es im Tourengebiet ein Lenkungskonzept, nachdem ich mich richten kann?
  • Wo liegen Wildfütterungen und Wildschutzgebiete?
  • Gibt es evtl. weitere Empfehlungen von Naturschutz-Verbänden zum Gebiet?
  • Muss ich unbedingt in ein Hotspot-Gebiet gehen oder gibt es evtl.sinnvollere Alternativen?

Auf Skitour: Was kann ich unterwegs alles beachten?

  • Kann ich möglichst schon bestehende Aufstiegsspuren und Abfahrten nutzen?
  • Berührt die bestehende Spur evtl. ein sensibles Gebiet? Falls ja: kann ich ausweichen?
  • Halte ich mich an die Empfehlungen von Informations-Tafeln und meide Schon- und Schutzgebiete?
  • Muss es eine nächtliche Tour sein? In der Zeit der Dämmerung und nachts sind viele Tiere aktiv.
  • Müllcheck: Habe ich alles, was nicht in die Berge gehört, wieder eingepackt?
Ein nachhaltiger Skitourengeher bei der Tiefschneeabfahrt nimmt Rücksicht auf die Natur
Die Krönung einer jeden Skitour. Bild: Torsten Wenzler

Skitouren zwischen Boom und Nachhaltigkeit

Skitourengehen ist erlebnisreich, entspannend und man wähnt sich auf der ökologisch richtigen Seite des Wintersports. Es ist wundervoll, abseits des Pistentrubels und von Liftschneisen und -stationen einsam durch die verschneite Bergwelt seine Spur aufwärts zu ziehen und die Vorfreude auf die Abfahrt wachsen zu lassen:

“Am Gipfel angekommen, tief durchatmen und  Innehalten. Und dann, vom höchsten Punkt  den Übergang spüren – ein wunderbarer Augenblick. Nach der Abfahrt durch fluffigen Pulverschnee das Gefühl genießen, nichts als eine Spur im Schnee hinterlassen zu haben.”

Skitourengehen wird immer beliebter und mehr und mehr Freizeitsportler*innen möchten abseits überfüllter Pisten den Wintersport und Tiefschnee erleben und genießen.

Zoomen wir einmal aus unserer frisch gezogenen Spur hinaus, sehen wir uns in einem Naturraum bewegen, deren Flora und Fauna im Winter durch Schnee und Kälte sensibel auf Menschen reagiert. Wir dringen tief in das ökologische Gleichgewicht ein. Wir schaffen uns ein Rückzugsgebiet, um uns vom lärmenden Trubel fernzuhalten und bewegen uns damit in einen Lebensraum hinein, dessen Bewohner nicht die Wahl haben, einfach woanders hin zu gehen, wenn es ihnen zu voll und zu laut wird. Für Wildtiere bedeutet die Ausbreitung des Skitourismus in hochalpinen Gebieten einfach Stress – ihnen gehen die Rückzugsräume aus. Diese Not entsteht aus der Nichtexistenz von Weggeboten.

Die große Zahl von Wintersportler*innen verursacht zudem Verkehr und Luftverschmutzung. Die Landschaftsverschmutzung durch Müll- und persönliche Rückstände geht damit genauso einher, wie ein andauernder und breitflächiger Nutzungsdruck, der sich nicht mehr auf wenige Pistenkilometer und Großparkplätze konzentriert.

Skitourengeher lernen den Umgang mit Lawinensonden
Lawinenkurse sind unverzichtbar für Skitourengeher. Bild: Torsten Wenzler

Nicht zuletzt sind auch die von Tourengehern ausgelösten Lawinen ein Problem. Sie stellen nicht nur für uns ganz persönlich eine Gefahr dar, die wir in Lawinenkursen so gut es geht vermeiden lernen: Lawinenabgänge sind auch immer eine direkte Gefahr für andere Tourengeher*innen und Tiere.

Und nicht nur das Tourenskigehen boomt. Auch Schneeschuhgehen oder Winterwandern. Es werden immer mehr Akteure auf kleinem Raum. Will man sich wirklich nachhaltig und rücksichtsvoll in diesen Gebieten bewegen, braucht es Verständnis über die Zusammenhänge und Wechselwirkungen in diesem Ökosystem. Zudem eine hohe Eigenverantwortung, und – leider oftmals nötig – ergänzende Regeln und Lenkungskonzepte.

Aufklärung schafft Verständnis

Viele Skitourengeher*innen sind in den nationalen Alpenvereinen organisiert und so auch über die Problemfelder informiert. Aber auch die Zahl der Individualsportler*innen nimmt zu. So oder so: es ist unrealistisch anzunehmen, dass die reine Mitgliedschaft Verständnis für den Naturraum erzeugt. Es ist ein Unterschied, ob man beispielsweise im Kleinwalsertal aufgewachsen ist und von Kindesbeinen an mit der Ortsgruppe in den Bergen unterwegs gewesen ist, oder ob man sich ab und zu aus der Stadt zum Tourengehen aufmacht. Der Deutsche Alpenverein und verschiedene Umweltverbände starten daher regelmäßig Kampagnen, um das Umweltbewusstsein der Tourengeher*innen zu schärfen. Wie z. B. die Kampagne „WinterFUN“. FUN für „freundlich, umsichtig, naturschonend“. Das soll unser Handeln im Skitourenwinter bestimmen.

Infotafel vom DAV für nachhaltige Skitouren
In vielen Gebieten finden sich bereits Infotafeln speziell für Skitourengeher. Bild: DAV, Daniel Hug

Denk dran: Unter der Schneedecke lebt was…

Negative Einflüsse auf die Vegetation nehmen wir im Sommer vor allem durch kahle Hänge, absterbende Bäume und Murenabgänge war. Auf Skitour kommen wir im Winter ebenso mit der Vegetation in Berührung. Latschenkiefern-Felder etwa sollten umfahren werden, damit die Ski-Kanten keine Schnittschäden verursachen. Das gleiche gilt für Aufforstungsflächen. Die jungen Triebe sind für ein gesundes Wachstum der Bäume überlebenswichtig. Schneefreie Stellen umfährt man ebenfalls am besten ganz.

Manchmal reicht es auch einfach, kurz abzuschnallen und die Stelle zu überlaufen. Druck hat kaum Auswirkungen, aber durch Skikanten abgeschnittene Gräser, Flechten und Kräuter sind schnell zerstört. Vor allem im Frühjahr sollte man daher darauf achten, nicht bis zum letzten Altschneefleck abzufahren. Das gilt natürlich auch zu Beginn der Saison. Hier sollte man nicht schon bei der ersten dünnen Schneelage losziehen, sondern abwarten, bis die Vegetation eine schützende Schneedecke erhalten hat.

Nachhaltig auf Skitour mit Rücksicht auf Tiere und Pflanzen
Mit genügend Abstand zu Baum- und Strauchgruppen lässt sich unser Fußabdruck in der Winter-Vegetation verringern. Bild: Moritz Attenberger.

Nimm beim Skitourengehen Rücksicht auf Wildtiere

Auf Skitour dringen wir immer mehr in Gebiete vor, die als Rückzugsort und Futterstellen für die Tierwelt überlebenswichtig sind. Das fängt schon in den Tallagen an. Im Waldgürtel befinden sich z. B. die winterlichen Fütterungsstellen für Rot- und Rehwild. Die ehemaligen Auenflächen in den Tälern stehen ihnen nicht mehr zur Verfügung und so sind sie auf diese Fütterung im Winter angewiesen, möchte man nicht eine Zunahme des Verbisses an den Bäumen riskieren. Die Störung solcher Futterplätze verursacht rasch das Fernbleiben des Wildes und fördert so den Verbiss an Rinde und Jungbäumen. Initiativen für naturverträglichen Bergsport wie beispielsweise „Natürlich auf Tour“ des DAV behandeln auch explizit den Schutz der Wildtiere. Auch findet man immer häufiger entsprechende Informationstafeln an den Startpunkten stark frequentierter Gebiete.

Gemsen in winterlicher, alpiner Landschaft
Steinwild versucht im Winter jede überflüssige Bewegung zu sparen. Wir müssen versuchen, es so wenig wie möglich zu stören oder aufzuschrecken. Bild: Björn S.

Gams- und Steinwild wird nicht gefüttert. Seine Überlebensstrategie ist, Energie zu sparen, denn Nahrung im Winter ist rar. Wird dieses Wild regelmäßig in seinem “Energiesparmodus” gestört und muss flüchten, läuft es Gefahr, irgendwann an Entkräftung und Hunger zu verenden. Wenn Du Gämsen siehst, umfahre die Tiere am besten weiträumig oder warte bei einer kleinen Beobachtungs-Pause ab, bis die Tiere weitergezogen sind. Ein Abstand von etwa dreihundert Metern ist eine gute Faustregel, darunter beginnen die Tiere zu flüchten. Wenn möglich, darf es aber auch gern mehr sein, denn in dem offenen und weitläufigen Gelände flüchten Tiere mitunter auch auf größere Distanzen.

Schneehuhn in winterlicher, alpiner Landschaft
Schneehühner sind in der Bestandszahl stark gefährdet und aufgrund ihres Gewichts schlechte Flieger. Wir sollten uns also nicht zu ihren Aktivitätszeiten im Winter in ihrer Nähe aufhalten. Bild: Gregory Smith

Raufußhühner wie das Birk- oder das bekanntere Schneehuhn vergraben sich in selbst gescharrte Schneehöhlen oder -kuhlen, gern an den Kammlagen der Nordhänge, weil hier der Schnee meist lockerer ist. Sie sind nur kurze Zeit zur Nahrungsaufnahme und zum Sonnenbaden außerhalb ihrer Höhle. Werden sie dort aufgeschreckt, flüchten sie aufgrund ihres Gewichts hangabwärts und müssen dann unter hohem Energieverbrauch wieder nach oben steigen. Passiert das häufig, verhungern sie irgendwann oder fallen auf den freien Flächen Ihren Fressfeinden zum Opfer. Gerade das Birkhuhn und sein größerer Verwandter, das Auerhuhn leiden zudem unter europaweit rapide abnehmenden Bestandszahlen. Der Alpenraum ist einer ihrer letzten stabilen Lebensräume in Mitteleuropa.

Hinterlasse keinen Müll in der Natur

Hinterlasse keinen Müll! Man (über-)liest es so häufig auf Schildern, dass man immer wieder darauf hinweisen muss. Jedes Stück Plastik kann für Tiere interessant sein und im Körper Schäden anrichten. Vor allem im Winter, wenn die Tiere schwächer und hungriger sind. Frisst kein Tier das Plastik, landet es irgendwann im Meer oder in Form von Mikroplastik sogar im Schnee. Damit dieses Problem nicht noch größer wird, packe deine Sachen am besten in Mehrweggefäße und fixiere deine Beutel am Rucksack. So kann auch nichts weggeweht werden. Auch beim Toilettengang darf man konsequent sein. Am besten kommt alles wieder ins Tal hinunter. Papiertaschentücher brauchen zudem deutlich länger zum Verrotten als Toilettenpapier. Und was im Schnee verbuddelt wird, liegt im Frühjahr immer noch dort.

Nachhaltige Ausrüstung für Skitouren
Deinen Proviant und Ausrüstung in Mehrwegbehältnisse zu packen und am Rucksack zu sichern hilft, keinen Müll in den Tourengebieten zu hinterlassen. Bild: Lensecape

Umweltfreundliche Anreise zur Skitour mit Bussen und Bahn

Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist im Winter die ökologisch sinnvollste Form in die Berge zu kommen. Mit dem ICE gelingt das etwa über München, von wo aus die Anschlussverbindungen in die Alpentäler sehr gut ausgebaut sind. Zur weiteren Planung brauchst du dann nur noch die regionalen Busverbindungen, die durch verschiedenen Skibusse auch im Winter in fast jedes Tal führen. Der Deutsche Alpenverein gibt hier zusammen mit der Bahn einige Tipps zur besseren Planung. Der Österreichische Alpenverein (ÖAV) hat sogar ein Tourenbuch mit Skitouren und der dazu passenden Bus- und Zugverbindung herausgebracht – das gibt es kostenlos, inklusive Busfahrkarten zum Abreißen!

Nachhaltige Anreise zur Skitour mit der Bahn
Die Anreise mit dem öffentlichen Nahverkehr sollte an erster Stelle der Anreise in die Tourengebiete stehen. Bild: Moritz Attenberger

 

Text: Alexander Giebler | velonauten

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