Scroll to top
 
 
“Silberrücken”

Als junger Familienvater suche ich mir meine sportlichen Herausforderungen beim Klettern vorzugsweise in den heimischen Bergen. Vor kurzem bin ich im Chiemgau an der Zellerwand wieder fündig geworden. Mein neues Projekt war als gefunden: Der Durchstieg der Sportkletterroute “Silberrücken” im Grad 8c+/9a.

Die Zellerwand befindet sich im Achental und bildet die Ostwand des Spitzsteins in den Chiemgauer Alpen in Ostbayern. Die aus Kalkstein bestehende kompakte Wand bietet zahlreiche Kletterrouten verschiedenster Schwierigkeitsstufen. Darunter auch die Route „Silberrücken“, die sich als Sportkletterroute im Grad 8c+ an der eindrucksvollen Wand emporschlängelt.

Euphorie des Augenblicks

Das 10m ausladende Dach der Felswand, das gerade an der Grenze des Möglichen ist, gehört schon seit geraumer Zeit zu meinen sportlichen Zielen beim Klettern. Eine imposante Erscheinung und Herausforderung, solche Kletterperlen sind dünn gesät. Anfangs war ich allerdings noch skeptisch, ob diese neue Linie überhaupt kletterbar für mich ist. Nach zwei Tagen intensiven Tüfteln setzte sich das Mosaik zusammen. Dieser Punkt an dem ich weiß, ich kann die Route klettern, löst bei mir ein ganz spezielles Hochgefühl aus, das größer ist als der erfolgreiche Durchstieg selbst. Die Erkenntnis beflügelt mich, mich der Herausforderung zu stellen und alles aus mir herauszuholen. Gerade fürs spätabendliche Training brauche ich solch einen Antriebsmotor.

Knapp gescheitert, aber glücklich

Nachdem der Plan gefasst war und die Wetterbedingungen bestens geeignet waren um einen ersten Versuch des Durchstiegs des „Silberrückens“ zu wagen, machte ich mich einige Tage später auf den Weg zur Zellerwand um mein Projekt zu starten. Zwei Klettertage später wusste ich bereits beim Aufstieg zum Klettergarten, dass heute die Verhältnisse absolut top sind. Südwind, klare, trockene Luft und der Grip passte auch. Ich verspürte eine leichte Anspannung, die sich langsam aufbaute. Es war der letzte Tag bevor die sommerlichen, schwülwarmen Luftmassen uns erreichten. Wenn mir nicht heute der Durchstieg gelingt, dann kommt die nächste Chance erst im Herbst wieder. Diesen Druck konnte ich an diesem Tag gut kanalisieren und in Energie umwandeln. Bereits beim ersten Versuch tropfte ich am letzten schweren Zug ab! Fast geschafft! Erst am Boden fiel mir auf, dass meine Hand blutüberströmt war! Voller Euphorie tapte ich meine Finger und versuchte es erneut. Trotz der schlechteren Reibung wurde es nochmal knapp! Erschöpft, aber glücklich in dem Wissen die Route schaffen zu können, musste ich mein Projekt bedingt durch das Wetter vertagen. Der Wetterbericht hatte recht behalten.

Nun muss ich auf den Herbst warten. Das Positive daran ist, dass mich der ausstehende Durchstieg und die Euphorie diesen zu meistern durch mein Sommertraining trägt!

Nachtrag:

Nach drei weiteren Klettertagen im Herbst gelang mir der Durchstieg dieser Route. Der erste Versuch an diesem windig, kalten Herbstag war nahezu perfekt. Nur am letzten schweren Zug hielt ich im entscheidenten Moment die Spannung nicht aufrecht und konnte den Körperschwung an einem abschüssigen Aufleger nicht abfangen. Im nächsten Versuch in der Dämmerung kletterte ich diese Passage noch präziser und ich blieb auf den entscheidenden Aufleger kleben. Das Hochgefühl nach diesem Durchstieg gibt mir Aufwind für meine nächsten noch ausstehenden Projekte!

Foto Credit: Helmut Kotter

Bildergalerie

 

Write a Comment

* These fields are mandatory
Related Posts
Aline’s Story behind: “a land shaped by women”

„Ich habe für mich entschieden, dass ich bei diesem Thema nicht auf aggressive Art und Weise etwas zu ändern versuche. Aber ich werde bestimmt auch niemandem einen Gefallen tun, und damit aufhören weiterzukämpfen, oder damit aufhören, laut zu sein.“

ANA’S PYRENEAN WAY WEST – Von Meer zu Meer über die wilden Pyrenäen – PART II

Da fängt es wie auf Kommando an stark zu regnen. Jetzt ist mir klar, dass ich nicht weiterklettern kann, denn der nasse Fels, der in das weiße Loch unter mir hineinzufallen scheint, ist für mich unüberwindbar.

ANA’S PYRENEAN WAY WEST – Von Meer zu Meer über die wilden Pyrenäen – PART I

Es ist Sommer. Wie viele andere Urlauber bade ich im Mittelmeer und springe in die Wellen des Atlantik. Aber den Weg zwischen den Meeren, den lege ich zu Fuß zurück: in 35 Tagen überquere ich die Pyrenäen, das Gebirge, das sie miteinander verbindet.

“a land shaped by women” (Trailer)

The movie is an inspirational depiction of a journey across Iceland – a country with a rich history in gender equality – where the 2 Freeride World Champions Aline Bock and Anne-flore Marxer explore the country in a van through the adventure sports they are passionate about: snowboarding & surfing.

Show more