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Mein Naturerlebnis vor der Haustür

Ein Leitfaden während und nach Corona

Die Sonne scheint, die Pflanzen blühen, die ersten Schwalben sind bereits zurück. Kurz: Es ist Frühling. Die beste Zeit, so viel wie möglich draußen zu sein. Aktuell sieht es für viele Menschen in Europa und der ganzen Welt jedoch anders aus. Wegen der Corona-Krise bleiben sie zuhause: Osterausflüge, Wochenendtrips und Fernreisen sind gecancelt, das Gebot der sozialen Distanzierung schränkt den Weg in die beliebten Naherholungsgebiete ebenfalls ein. Dabei ist für viele Menschen ein Stück Natur im Leben ein gutes Mittel, damit ihnen nicht die Decke auf den Kopf fällt.

Wir haben mit vier Expertinnen gesprochen und Tipps gesammelt, wie man ohne großen Aufwand mehr Natur erleben kann – nicht in Patagonien, Skandinavien oder der Camargue, sondern im eigenen Garten, auf dem Balkon oder beim kleinen Spaziergang.

Das Wichtigste kompakt:

  • Offene Augen und Ohren
  • Klein anfangen, statt sofort nach den Sternen zu greifen
  • Mit einfachen Mitteln für naturfreundliches Umfeld sorgen
  • Positive Erlebnisse schaffen

 

Sehen, was da ist

Einfach wachsen lassen! Bild: Moritz Attenberger

Das Erlebnis fängt mit dem Wahrnehmen an. Wahrzunehmen gibt es viel: Das können die Rehe sein, die man vom eigenen Garten aus am Waldrand sehen kann oder die Sperlingsbande, die durch den urbanen Innenhof tobt. Das kann aber genauso der erste Löwenzahn sein, der sich zwischen den Gehwegplatten auf dem Balkon hervorkämpft: „Was man wirklich braucht, sind Augen und Ohren“, sagt Caren Pertl, wissenschaftliche Ansprechpartnerin für die Ornithologie beim Nationalpark Harz. Sie ergänzt: „Fernglas, Bücher oder Bestimmungs-Apps helfen natürlich. Aber das bringt alles nichts, wenn man sich nicht die Zeit und Geduld nimmt, zu beobachten.“ Was die Vogelkundlerin sagt, gilt grundsätzlich für jede Naturbeobachtung. Vögel sind trotzdem ein sehr dankbarer Beobachtungsgegenstand, wie auch Nikola Vagt vom NABU weiß: „Vögel haben sich nahezu jeden denkbaren Lebensraum erschlossen, sind unglaublich anpassungsfähig und es gibt sie in einer Vielzahl von Arten. Irgendein Vogel ist eigentlich immer da.“ Als stellvertretende Leiterin des Wasservogelreservats Wallnau auf der Ostseeinsel Fehmarn ist sie für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig – es ist gewissermaßen ihr Beruf, Menschen für die Vogelwelt zu begeistern.

Einer der Stadtvögel schlechthin: Der Haussperling. Bild: Images & Birds – www.imagesandbirds.com

Wer mit der Erwartung zum Himmel blickt, binnen Minuten eine spektakuläre Beobachtung zu machen, der dürfte wahrscheinlich erst einmal enttäuscht werden. Man kann aber auch einfach Glück haben. Vagt hat jahrelang mit NABU-Kolleginnen und -Kollegen ein Spiel in einer gemeinsamen Messenger-Gruppe gespielt und alle Vogelbeobachtungen aus der eigenen Wohnung dokumentiert. Schlechte Karten mit einer Stadtwohnung in Hamburg-Altona und einem zwei Quadratmeter kleinen Balkon, sollte man meinen. Pustekuchen! Arten wie Austernfischer, Brandgans, Pirol und Seeadler stehen auf der Balkonliste: „Als der Seeadler kam, habe ich mir erst einmal ein Bier aufgemacht“, erinnert sich Vagt. Das schönste daran sei aber gar nicht der Seeadler gewesen, „sondern dass das immer wieder – über das gesamte Jahr hinweg – Anlass zum Austausch in der Gruppe gegeben hat.“ Da die Gruppe eine bundesweite sei, könne man immer wieder spannende Tendenzen sehen, etwa wenn sich die Mauersegler nach der Überwinterung langsam, aber sicher wieder Richtung Norden vorarbeiten und die Freiburger schon melden, während die Hamburgerinnen noch warten.

Vogelarten wie die Mauersegler haben sich Städte als Lebensraum erschlossen. Bild: Images & Birds – www.imagesandbirds.com

Die Naturschützerin betont übrigens, dass Städte für viele Vogelarten hervorragende Habitate abgeben. So sind Turmfalken, Mauersegler oder Hausrotschwänze als ehemalige Gebirgsbewohner und Felsenbrüter heute wesentlich häufiger in Städten anzutreffen als im alpinen Raum. Zudem gibt es für viele Arten Nahrung in Hülle und Fülle, kaum Jagddruck und weniger Fressfeinde. Das gilt übrigens nicht nur für Vögel, sondern genauso für die berühmten Berliner Stadtfüchse. Auch Insekten können unter günstigen Bedingungen in Siedlungen besser zurechtkommen als auf dem Land. Der wichtigste Faktor ist hier sicherlich die deutlich geringere Belastung durch Pestizide, wie sie die industrielle Landwirtschaft einsetzt.

Begreifen, was man sieht

Halt. Ein Pirol? Wie sieht der eigentlich aus? Und wie unterscheide ich eine Wildbiene von einer Honigbiene? Um das zu lernen, gibt es eine Vielzahl toller Literatur und Apps (eine exemplarische Übersicht am Ende des Artikels). Unter Naturfreundinnen und -freunden sehr beliebt sind z. B. die Veröffentlichungen und elektronischen Angebote des Kosmos-Verlags, der zu fast jeder Klasse von Tieren Angebote für EinsteigerInnen und Fortgeschrittene macht. Darüber hinaus gibt es viele kostenfreie Angebote im Internet, etwa die umfangreichen Artenportraits des Naturschutzbundes NABU. Nicht zuletzt kann man sich mithilfe etwa der Google-Bildersuche oder des Online-Lexikons Wikipedia schlau machen. Aber Vorsicht: die Präzision von Fotografien ist oft trügerisch. Denn wo ein Foto immer nur ein einziges oder wenige Individuen zeigt, versammeln gut gemachte Illustrationen die charakteristischen Merkmale einer Art alle im selben Bild.

Auch über Spinnentiere gibt es umfangreiche Literatur. Bild: Hari Pulko

Wichtiger als die technischen und fachlichen Hilfsmittel ist auch hier oft die Herangehensweise. „Seltenheiten oder Rekordhalter des Tierreichs faszinieren viele Menschen. Aber mit der brütenden Amsel, die in meinem Innenhof den Turmfalken verjagt, erlebe ich mehr als mit dem Condor, der fern über den Anden kreist“, sagt Vagt und empfiehlt deshalb, sich erst einmal auf die Arten im Nahbereich zu konzentrieren und diese kennenzulernen, sich ihre Lautäußerungen (also Gesang, Bellen, Brummen, Kratzen, Warnen …) einzuprägen. Gerade jetzt in der Paarungs- und Brutzeit sind vermeintliche Allerweltsvögel sehr spannend: Partnerfindung, Paarung, Nestbau, Brut, Futtersuche, Aufzucht und Ausflug der Jungvögel – über den ganzen Sommer gibt es viel zu sehen. Je häufiger und intensiver man Tieren zusieht, desto eher erkennt man ganz individuelle, fast schon persönliche Eigenheiten: „Bei mir ist gerade eine Rabenkrähe, die klingt wie ein kaputtes Schaf und eine Elster ohne Schwanz kommt oft zu Besuch“, lacht Vagt. All das gilt natürlich nicht nur für Vögel. Schmetterlinge, Wildbienen, Hummeln, Fledermäuse, Eichhörnchen, Libellen – all das und noch viel mehr lässt sich zu verschiedenen Zeiten im Garten oder auf dem Balkon beobachten.

Falter und Schmetterlinge kommen mit etwas Geduld erstaunlich nah. Bild: Images & Birds – www.imagesandbirds.com

Natürlich hilft beim Beobachten Technik. Etwa das Fernglas, das weit Entferntes nah heranholt und für Insekten- und Pflanzenfreundinnen und -freunde die Lupe, die Winziges vergrößert. Weil Kinder Lupen lieben, ist bei einigen Vaude-Kinderrucksäcken wie Puck und Pecki sogar eine Lupe gleich dabei. Man muss sich übrigens auch nicht sofort ein sündteures Profifernglas kaufen. „Für den Anfang reicht Omas altes Opernglas“, sagt Vagt. Selbst das ist jedoch kein Muss. Wer einfach mal eine halbe Stunde still am Fenster, auf dem Balkon oder im Garten sitzt, wird merken, dass viele Tiere wie Vögel, Schmetterlinge, Insekten oder Eichhörnchen erstaunlich nahe kommen.

Der Natur unter die Arme greifen?

Zu sehen gibt es also (fast) überall etwas. Aber was, wenn man mit ganz einfachen Mitteln mehr sehen könnte? Die gute Nachricht: Das ist ohne weiteres möglich. „Meistens wächst ja irgendwas von selbst: Löwenzahn, Gänseblümchen, Gräser. Das darf man gern einfach stehen lassen!“, erklärt Caren Pertl, „es ist wirklich einfach. Das vielzitierte Nichtstun hilft: seltener mähen, kein Gift verwenden und wachsen lassen, was eben so wächst.“ Dann hat man nicht nur mehr Pflanzen, sondern es kommen auch mehr Tiere vorbei. Das bestätigt auch Lisa Dumpe. Sie ist an der Universität Göttingen für ein europaweites Rebhuhnprojekt mitverantwortlich. Die Offenlandvögel haben seit den 1980er-Jahren dramatische Bestandsrückgänge von teilweise über 90 Prozent erlebt. Zu einer ganzen Reihe von Maßnahmen pro-Rebhuhn gehört etwa das Anlegen von sogenannten „Blühflächen“, in denen die Bodenbrüter Schutz und Nahrung gleichermaßen finden.

So bunt wie auf dieser Blühfläche des Rebhuhn-Projekts kann es auch im eigenen Garten blühen. Bild: Eckhard Gottschalk, PARTRIDGE

Dumpe ist also gewissermaßen Profi in Sachen tierfreundliche Pflanzen. Und auch sie rät Gartenbesitzerinnen und -besitzern: „Man kann gern den Mut haben, Dinge mal stehen zu lassen! Den Rasen z. B. nicht ständig und flächendeckend auf Golfplatzniveau schneiden, sondern blühen lassen und nur einzelne Wege kurz halten. Und beim Weglassen kann man gleich auf chemische Dünger und sogenannte Pflanzenschutzmittel verzichten.“ Abgestorbene Stängel der Gartenpflanzen dürfen gern bleiben, so die Göttingerin: „Darin überwintern Insekten und im nächsten Jahr können sie diese als Brutmöglichkeit nutzen.“ Sofern das gefahrlos möglich sei, dürfe man ebenso gern Totholz stehen lassen, denn abgestorbene Bäume eigneten sich prima für Specht- oder Fledermaus-Höhlen. Wenn man zurückschneidet, könne man aus dem Schnittgut übrigens gleich kleine Reisig- oder Totholzhaufen anlegen, in denen sich Tiere pudelwohl fühlten, schlägt Dumpe vor und gibt noch eine Information mit auf den Weg: „75 Prozent der Wildbienen nisten im Boden. Deshalb ist es gut, sonnenexponierte, offene und sandige Bodenflächen im Garten anzubieten und nicht nur Graslandschaften.“

Und wer keinen Garten hat? Balkone und sogar Blumenkästen eignen sich aus Sicht der Naturschutzexpertinnen genauso, um ein naturfreundliches und -nahes Umfeld zu schaffen, etwa indem man Blühmischungen sät. „Aus biologischer Sicht ist es wichtig, die Nahrungskette in Gang zu setzen“, erklärt Nikola Vagt vom NABU: „Wer etwas für Insekten tut, der hilft auch Vögeln und Fledermäusen, und zwar, indem er ihnen potenziell die Mägen füllt. Einen Balkon oder eine Gartenecke zu bepflanzen, ist ja ohnehin eine schöne Idee. Es sieht gut aus, duftet und bereichert die Küche mit tollen Aromen.“ Sie rät von Pflanzen mit sogenannten gefüllten Blüten wegen des geringeren Pollenangebots ab und empfiehlt stattdessen einfache, heimische Pflanzen wie Ringelblumen, Kapuzinerkresse, Borretsch oder Schnittlauch: „Die keimen zuverlässig und man kann sie essen. Dann hat man etwas für sich und für die Natur getan.“ Wer sich für Gartenkräuter wie Thymian, Oregano oder den schon angesprochenen Schnittlauch begeistert, dem empfiehlt Lisa Dumpe von der Universität Göttingen: „Ausblühen lassen. Viele Insekten lieben die Blüten von Küchenkräutern!“

Darüber hinaus solle man vor allem heimische Wildblumenmischungen aussäen und darauf achten, „dass die Arten für Insekten wie Schmetterlinge, Schwebfliegen, Wildbienen und Hummeln geeignet sind.“ Viele dieser Arten seien nämlich nicht nur auf heimische Pflanzen als Nahrungsquelle spezialisiert, sondern gleichzeitig sehr gefährdet, so Dumpe: „Mehr als die Hälfte der 560 Wildbienenarten steht auf der Roten Liste.“ Selbst wer gerade nicht in den Baumarkt kann: Pflanzen könne man überall, in alten Stiefeln, Töpfen, selbst Konservendosen, ergänzt Vagt.

Ein Urban-Gardening Projekt in Amsterdam. Bild: Martin Erd

Doch selbst für Menschen ohne grünen Daumen oder ohne Pflanzmöglichkeiten gibt es vielfältige Möglichkeiten, ein natur- und tierfreundlicheres Umfeld zu schaffen. Insektenhotels zum Beispiel, die sich mit einfachsten Mitteln selbst bauen lassen (Links zu Anleitungen am Ende des Artikels): ein bisschen Holz, ein paar hohle Halme oder Stengel und ein Bohrer. Mehr braucht es nicht. Eine Insekten- und Vogeltränke ist ebenfalls schnell hergerichtet: eine flache Tonschale, etwas Wasser und ein paar Steine oder alte Zweige als Kletterhilfe, damit Hummeln und Co. in der Tränke nicht ertrinken.

Ein Erlenzeisig an der „Snackbar“. Bild: Images & Birds – www.imagesandbirds.com

Gegen eine Vogelfütterung außerhalb der Wintermonate – eine „Snackbar“, wie Vagt es nennt – spricht aus Sicht der Expertinnen gar nichts, wenn man es richtig mache. „Wichtig ist vor allem, auf die Hygiene der Futterstelle zu achten, sie regelmäßig zu säubern und gutes Futter bereitzustellen. Und natürlich gilt für Futter und Tränke: Katzensicher aufstellen“, erklärt Dumpe. Gerade die Hygiene ist wichtig, denn Vögel können unter übertragbaren Infektionskrankheiten leiden, wie der Fall des Usutu-Virus zeigt, der größtenteils Amseln befällt und zum Tod führen kann. Deshalb sind sogenannte Futterstationen, bei denen jeder Schnabel nur zu wenigen Körnern oder Samen Kontakt hat, vor allem im Vergleich zu offenen Futterhäuschen, wo sich Futter und Kot mischen, die bessere Wahl. „Auch für Nistkästen ist es noch nicht zu spät“, ermuntert Vagt. Viele, aber noch nicht alle Vogelarten seien zwar bereits schon beim Brutgeschäft, allerdings gäbe es viele Arten, die mehrmals im Jahr brüteten.

Eine Blaumeise im Nistkasten. Bild: Lisa Dumpe, PARTRIDGE

Schwieriger ist es für Menschen, deren Wohnumfeld weder Balkon noch Garten aufweist und die beim Blick aus dem Fenster weder Tiere noch Pflanzen sehen. In Rücksprache mit Hausbesitzer oder Vermieter (sofern nötig) lassen sich jedoch selbst hier ggf. Insektenhotel oder Nistkasten anbringen. Zudem gestatten die meisten Bundesländer aktuell während der Corona-Krise den Spaziergang zur Erholung. So gibt es auch für Stadtbewohnerinnen und -bewohner viel zu entdecken. Neben den klassischen Naherholungsgebieten sind etwa Friedhöfe gute Orte für das Naturerlebnis in der Nachbarschaft, genauso wie innerstädtische Flussläufe oder Brachflächen. An vielen Gebäuden nisten zudem gern Turmfalken oder später im Jahr Mauersegler, kleine Hecken in der Stadt sind oft voller Haussperlinge; nicht nur in Frankfurter Parks leben Bisamratten und Nutrias. Jeder Spaziergang kann so zur kleinen Entdeckungsreise werden. „Augen auf, Natur ist überall!“, resümiert Caren Pertl vom Nationalpark Harz.

Entdecker in ihrem Element. Bild: P. Dietenberger

Gemeinsam ist’s am schönsten – Naturnähe in Zeiten von „Homeschooling“

Egal ob spazieren, pflanzen oder basteln: Gemeinsam macht das noch mehr Spaß als alleine und ist damit ein hervorragender Weg, Kinder für Natur zu begeistern – nicht nur, wenn Corona-bedingt die Schulen oder Kitas geschlossen sind. „Erfahrungen, die Kinder selbst gemacht haben, sind sehr einprägsam für sie“, bestätigt Andrea Krumes, Erzieherin im Vaude-Kinderhaus. Wenn also die Amsel in der selbstgebauten Vogeltränke badet, ist das für Kinder ein tolles Erfolgserlebnis und begeistert sie für die Natur um sie herum.

Im Betriebskindergarten des oberschwäbischen Outdoor-Herstellers wird Anfassen und Selbermachen ohnehin groß geschrieben. So passieren im Vaude-Kinderhaus ganz viele der Dinge, die auch die Naturschützerinnen vorschlagen, gemeinsam mit den Kindern: „Wir haben letztes Jahr für Erdhummeln zwei Höhlen aus Pflanztöpfen gebaut. Für Wildbienen haben wir aus Bambusstücken Nistmöglichkeiten geschaffen.“, erinnert sich Andrea, die lieber beim Vornamen genannt werden möchte. Es gibt zudem Waldtage zum Draußensein, Besuche beim Imker und Projekte wie „Sensomotorik“, bei dem Kinder durch Anfassen und Ertasten ihre Umwelt buchstäblich begreifen lernen.

Selbst in Corona-Zeiten vielerorts möglich: Der gemeinsame Waldspaziergang. Bild: Moritz Attenberger

„Wir sind natürlich traurig, dass wir gerade nicht mit den Kindern raus können, vielerorts können es aber die Eltern – und wenn es nur Spaziergänge im Nahbereich sind“, rät die Erzieherin. Sich die Natur um sich herum zu erschließen, statt Naturdokus auf Netflix zu schauen, ist also ein tolles Projekt für die ganze Familie. Viele Natur-Apps ermöglichen Kindern und Erwachsenen, gemeinsam spielerisch zu lernen, etwa mit Selber-Mach-Aufgaben oder kleinen Quizzes. Egal ob im Garten, auf dem Balkon oder beim Spaziergang, gerade jetzt im Frühling könnten Kinder ganz viel Natur erleben, etwa wenn man gemeinsam versucht, die Stimmen aus der App den Vögeln im Garten zuzuordnen – eine Aufgabe, bei der Kinder und Erwachsene sogar gemeinsam dazulernen. Doch nicht nur Vögel sind interessant: „Gerade im Frühling, wenn die Laubbäume noch keine Blätter haben, ist der Waldboden mit unzähligen Pflanzen übersät. Buschwindröschen, Veilchen, Schlüsselblumen, Leberblümchen und viele andere“, zählt die Pädagogin auf, „auf unseren Streifzügen durch den Wald schauen wir die Pflanzen vor allem sehr genau an. Dazu lernen die Kinder nicht nur die Namen der Pflanzen, sondern auch zwischen giftigen, ungiftigen und Heilpflanzen zu unterscheiden.“

Zauneidechsen lieben die Wärme. Bild: Images & Birds – www.imagesandbirds.com

Dazu kommen Insekten wie Ameisen, Käfer oder Fluginsekten, die alle ihren Geschäften nachgehen. Hier hilft die bereits angesprochene Lupe weiter, lacht Andrea. Es sei für Kinder einfach faszinierend, z. B. die Fühler eines Käfers ganz groß zu sehen. Ein Spaziergang mit den Kindern in die Natur lohne sich eigentlich immer – egal, wie alt die Kinder sind, denn dort gebe es immer etwas zu entdecken, so das Fazit der Pädagogin.

 

Zum Weiterlesen und Stöbern (z. T. kostenpflichtige Angebote)

Text: Arne Bischoff, Velonauten

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