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Hinterlasse keine Spuren! – Skitouren

„Leave no trace other than your footprints – take nothing home but memories (and your waste)“.

Teil 2: Skitouren gehen

Im ersten Teil unserer Miniserie zum nachhaltigen Verhalten im Outdoorsport ging es um das Mountainbike. Teil zwei widmet sich der schönsten Beschäftigung des Winters: der Skitour. Wir wollen, dass Ihr Freude habt und Euer Bewusstsein für das eigene Verhalten auf Skitouren schärfen. Das Wichtigste kurz und knapp vornweg:

Selbstcheck für eine naturverträgliche Tourenplanung:

Anreise

  • Kann ich den öffentlichen Nahverkehr nutzen?
  • Kann ich sinnvoll verschiedene Transportmittel kombinieren?
  • Kann ich eine Fahrgemeinschaft bilden oder einer beitreten?
  • Kann ich eine Autoanreise mit dem ÖPNV kombinieren?

Tourenplanung

  • Nutze nach Möglichkeit zur Tourenplanung Empfehlungen des DAV „Natürlich auf Tour“.
  • Gibt es im Tourengebiet ein Lenkungskonzept, nachdem ich mich richten kann?
  • Wo liegen Wildfütterungen und Wildschutzgebiete?
  • Gibt es weitere Empfehlungen von Naturschutz-Verbänden zum Gebiet?
  • Muss ich mich unbedingt in einem Hotspot bewegen oder habe ich sinnvolle Alternativen?

    Vor der verdienten Abfahrt gilt es den Aufstieg zu meistern. Bild: Torsten Wenzler

Auf Tour

  • Nutze möglichst schon bestehende Aufstiegsspuren und Abfahrten.
  • Prüfe kritisch, ob eine bestehende Spur ein sensibles Gebiet berührt. Weiche gegebenenfalls aus.
  • Halte Dich konsequent an die Empfehlungen von Informations-Tafeln und meide Schon- und Schutzgebiete.
  • Verzichte auf nächtliche Touren. In der Zeit der Dämmerung und während der Nacht sind viele Tiere aktiv.
  • Lass keinen Müll zurück und nimm auch Deine sonstigen Hinterlassenschaften wieder mit ins Tal.

Skitouren zwischen Boom und Nachhaltigkeit

Skitourengehen ist erlebnisreich, entspannend und man wähnt sich auf der ökologisch richtigen Seite des Wintersports. Es ist wundervoll, abseits des Pistentrubels und von Liftschneisen und -stationen einsam durch die verschneite Bergwelt seine Spur aufwärts zu ziehen. Am Gipfel angekommen, tief durchzuatmen und endlich am höchsten Punkt stehen – ein wunderbarer Augenblick. Nach der Abfahrt im fluffigen Pulverschnee das Gefühl zu genießen, nichts als die selbst gezogene Spur im Schnee hinterlassen zu haben. Und es gab auch die Zeit, als das Tourengehen noch der absolute Exot unter den Wintersportarten gewesen ist und zunächst nur von Einheimischen und einigen wenigen frühen Multisportlern und Bergfexen praktiziert wurde.

Die Krönung einer jeden Skitour. Bild: Torsten Wenzler

Heute widmen sich selbst die großen Magazine, Tages- und Onlinemedien immer mehr dem Sport. Mehr und mehr Freizeitsportler testen ihr skifahrerisches Können nun auch abseits der Piste und im Tiefschnee.

Zoomen wir einmal aus unserer frisch gezogenen Spur hinaus, sehen wir uns in einem Naturraum bewegen, deren Flora und Fauna im Winter durch Schnee und Kälte sensibel auf Menschen reagiert. Wir dringen tief in das ökologische Gleichgewicht ein. Wir schaffen uns ein Rückzugsgebiet, um uns vom lärmenden Trubel fernzuhalten und bewegen uns damit in einen Lebensraum hinein, dessen Bewohner nicht die Wahl haben, einfach woanders hin zu gehen, wenn es Ihnen zu voll und zu laut wird. Für Wildtiere bedeutet die Ausbreitung des Skitourismus in hochalpinen Gebieten einfach Stress – ihnen gehen die Rückzugsräume aus. Diese Not entsteht aus der Nichtexistenz von Weggeboten.

Die große Zahl von Wintersportlern verursacht zudem Verkehr und Luftverschmutzung. Die Landschaftsverschmutzung durch Müll- und persönliche Rückstände geht damit genauso einher, wie ein andauernder und breitflächiger Nutzungsdruck, der sich nicht mehr auf wenige Pistenkilometer und Großparkplätze konzentriert.

Nicht zuletzt sind auch die von Tourengehern ausgelösten Lawinen ein Problem. Sie stellen nicht nur für uns ganz persönlich eine Gefahr dar, die wir in Lawinenkursen so gut es geht vermeiden lernen: Lawinenabgänge sind auch immer eine direkte Gefahr für andere Tourengeher und Tiere.

Lawinenkurse sind unverzichtbar für Skitourengeher. Bild: Torsten Wenzler

Und nicht nur das Tourenskigehen boomt. Auch Schneeschuhgehen oder Winterwandern. Es werden immer mehr Akteure auf kleinem Raum. Will man sich nun wirklich nachhaltig und rücksichtsvoll in diesen Gebieten bewegen, braucht es Verständnis über die Zusammenhänge und Wechselwirkungen in diesem Ökosystem. Zudem eine hohe Eigenverantwortung, und – leider oftmals nötig – ergänzende Regeln und Lenkungskonzepte.

Aufklärung schafft Verständnis

Viele Skitourengeher sind in den nationalen Alpenvereinen organisiert und so auch über die Problemfelder informiert. Aber auch die Zahl der Individualsportler nimmt zu. So oder so: es ist lebensfremd anzunehmen, dass die reine Mitgliedschaft Verständnis für den Naturraum erzeugt. Es ist ein Unterschied, ob man beispielsweise im Kleinwalsertal aufgewachsen ist und von Kindesbeinen an mit der Ortsgruppe in den Bergen unterwegs gewesen ist, oder ob man sich ab und zu aus der Stadt zum Tourengehen aufmacht. Der Deutsche Alpenverein und verschiedene Umweltverbände starten daher regelmäßig Kampagnen, um das Umweltbewusstsein der Tourengeher zu schärfen. In diesem Winter z. B. die Kampagne „WinterFUN“. FUN für „freundlich, umsichtig, naturschonend“. Das soll unser Handeln im Skitourenwinter bestimmen. Als direkte Reaktion auf die derzeitige Pandemie hat der DAV allerdings seine Kampagne zurückgezogen und überarbeitet sie. Die Empfehlungen gelten natürlich trotzdem. Pandemie hin oder her.

In vielen Gebieten finden sich bereits Infotafeln speziell für Skitourengeher. Bild: DAV, Daniel Hug

Da ist was unter dem Schnee

Negative Einflüsse auf die Vegetation nehmen wir im Sommer vor allem durch kahle Hänge, absterbende Bäume und Murenabgänge war. Als Skitourengeher kommen wir im Winter ebenso mit der Vegetation in Berührung. Latschenfelder etwa sollten möglichst umfahren oder, wenn das nicht möglich ist, sorgsam überfahren werden, damit die Ski-Kanten keine Schnittschäden verursachen. Das gleiche gilt für Aufforstungsflächen. Die jungen Triebe sind für ein gesundes Wachstum der Bäume überlebenswichtig. Apere Stellen auf den Aufstiegsspuren umfährt man am besten ganz. Gerade, wenn schon eine gezogene Spur darüber geht. Manchmal reicht es auch einfach, kurz abzuschnallen und die Stelle zu überlaufen. Druck hat kaum Auswirkungen, aber durch Skikanten abgeschnittene Gräser, Flechten und Kräuter sind zerstört. Vor allem im Frühjahr sollte man daher darauf achten, nicht bis zum letzten Altschneefleck abzufahren. Das gilt natürlich auch zu Beginn der Saison. Die Frage an sich selbst darf da gern lauten: „Muss ich schon bei der ersten dünnen Schneelage los oder lasse ich der Vegetation noch ein wenig mehr Schnee zum Schutz für den Winter?“

Mit genügend Abstand zu Baum- und Strauchgruppen lässt sich unser Fußabdruck in der Winter-Vegetation verringern. Bild: Moritz Attenberger.

Wildtierschutz

Wir Skitourengeher dringen immer mehr in Gebiete vor, die als Rückzugsort und Futterstellen für die Tierwelt überlebenswichtig sind. Das fängt schon in den Tallagen an. Im Waldgürtel befinden sich z. B. die winterlichen Fütterungsstellen für Rot- und Rehwild. Die ehemaligen Auenflächen in den Tälern stehen Ihnen nicht mehr zur Verfügung und so sind sie auf diese Fütterung im Winter angewiesen, möchte man nicht eine Zunahme des Verbisses an den Bäumen riskieren. Die Störung solcher Futterplätze verursacht rasch das Fernbleiben des Wildes und fördert so den Verbiss an Rinde und Jungbäumen. Initiativen für naturverträglichen Bergsport wie beispielsweise „Natürlich auf Tour“ des DAV behandeln auch explizit den Schutz der Wildtiere. Auch findet man immer häufiger entsprechende Informationstafeln an den Startpunkten stark frequentierter Gebiete.

Gams- und Steinwild wird nicht gefüttert. Seine Überlebensstrategie ist, Energie zu sparen, denn Nahrung im Winter ist rar. Wird dieses Wild regelmäßig gestört und muss flüchten, läuft es Gefahr, irgendwann an Entkräftung und Hunger zu verenden. Wenn Du Gämsen siehst, umfahre die Tiere am besten weiträumig oder warte bei einem gemütlichen Pausenkaffee einfach ab, bis die Tiere weitergezogen sind. Ein Abstand von etwa dreihundert Metern ist eine gute Faustregel, darunter beginnen die Tiere zu flüchten. Wenn möglich, darf es aber auch gern mehr sein, denn in dem offenen und weitläufigen Gelände flüchten Tiere mitunter auch auf größere Distanzen.

Steinwild versucht im Winter jede überflüssige Bewegung zu sparen. Wir müssen versuchen, es so wenig wie möglich zu stören oder aufzuschrecken. Bild: Björn S.

Raufußhühner wie das Birk- oder das bekanntere Schneehuhn vergraben sich in selbst gescharrte Schneehöhlen oder -kuhlen, gern an den Kammlagen der Nordhänge, weil hier der Schnee meist lockerer ist. Sie sind nur kurze Zeit zur Nahrungsaufnahme und zum Sonnenbaden außerhalb ihrer Höhle. Werden sie dort aufgeschreckt, flüchten sie aufgrund ihres Gewichts hangabwärts und müssen dann unter hohem Energieverbrauch wieder nach oben steigen. Passiert das häufig, verhungern sie irgendwann oder fallen auf den freien Flächen Ihren Fressfeinden zum Opfer. Gerade Birkhuhn und sein größerer Verwandter Auerhuhn leiden zudem unter europaweit rapide abnehmenden Bestandszahlen. Der Alpenraum ist einer ihrer letzten stabilen Lebensräume in Mitteleuropa.

Schneehühner sind in der Bestandszahl stark gefährdet und aufgrund ihres Gewichts schlechte Flieger. Wir sollten uns also nicht zu ihren Aktivitätszeiten im Winter in ihrer Nähe aufhalten. Bild: Gregory Smith

Waste-Management

Hinterlasse keinen Müll! Man (über-)liest es so häufig auf Schildern, dass man immer wieder darauf hinweisen muss. Jedes Stück Plastik kann für Tiere interessant sein und im Körper Schäden anrichten. Vor allem im Winter, wenn die Tiere schwächer und hungriger sind. Frisst kein Tier das Plastik, landet es irgendwann im Meer oder in Form von Mikroplastik sogar im Schnee. Damit dieses Problem nicht noch größer wird, packe Deine Sachen am besten in Mehrweggefäße und fixiere deine Beutel am Rucksack. So kann auch nichts weggeweht werden. Auch beim Toilettengang darf man konsequent sein. Am besten kommt alles wieder ins Tal hinunter. Papiertaschentücher brauchen zudem deutlich länger zum Verrotten als Toilettenpapier. Und was ich im Schnee einbuddele, liegt im Frühjahr immer noch dort.

Deinen Proviant und Ausrüstung in Mehrwegbehältnisse zu packen und am Rucksack zu sichern hilft, keinen Müll in den Tourengebieten zu hinterlassen. Bild: Lensecape

Ausrüstung
Auch unsere Ausrüstung hinterlässt einen ökologischen Fußabdruck. Vor allem bei Materialgewinnung, Produktion und Transport. Diesen Impact können wir minimieren, indem wir nachhaltig hergestellte Produkte kaufen und sie so pflegen, dass wir sie lange nutzen können. Der Gebrauchtkauf oder die Leihe von Teilen kann eine ressourcenschonende Alternative zum Neukauf sein. Noch funktionierende aber nicht mehr gewünschte Ausrüstungsgegenstände können wir gebraucht verkaufen, statt sie wegzuwerfen. Und natürlich können wir uns überlegen, ob es immer das Neueste und Beste sein muss – auch, wenn das in einem High-Tech-Sport wie dem Skitourengehen oft schwerfällt. Was wir bei VAUDE tun, um so natur- und sozialverträglich wie möglich zu wirtschaften, könnt Ihr übrigens in unserem Nachhaltigkeits-Bericht (Corporate Social Responsibility, CSR) nachlesen. Etwa eine ressourcenschonende Produktion, intensive Forschung und Einsatz biobasierter Materialien, hohe Reparierbarkeit, Kompensationsmaßnahmen für nicht-vermeidbare Emissionen, und und und. Im Sommer 2020 waren mit diesen Maßnahmen bereits 97 Prozent unserer Kleidungsstücke gemäß unserer strengen Green-Shape-Kriterien als umweltfreundliches und funktionelles Produkt aus nachhaltigen Materialien zertifiziert.

Kleinere Schäden kann man meist schnell vor Ort flicken. Später dann können viele Dinge fachgerecht repariert werden. Bild: Lensecape

Anreise

Abgesehen von der einzig wahren nachhaltigen Anreiseform mit dem Fahrrad, ist die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln im Winter die ökologisch sinnvollste Form in die Berge zu kommen. Die Anreise mit dem ICE etwa über München und die Anschlussverbindungen in die Alpentäler sind gut ausgebaut. Zur weiteren Planung brauchst Du dann nur noch die regionalen Busverbindungen, die durch verschiedenen Skibusse auch im Winter in fast jeden Talschluss kommen. Der Deutsche Alpenverein gibt hier zusammen mit der Bahn einige Tipps zur besseren Planung. Der ÖAV hat sogar ein Tourenbuch mit Skitouren und der dazu passenden Bus und Zugverbindung herausgebracht – gibt es kostenlos, inklusive Busfahrkarten zum Abreißen!

Die Anreise mit dem öffentlichen Nahverkehr sollte an erster Stelle der Anreise in die Tourengebiete stehen. Bild: Moritz Attenberger

Corona

Die Pandemie wirkt auch beim Wintersport wie ein Vergrößerungsglas auf schon bestehende Probleme. In diesem Winter ist abzusehen, dass eine besondere Belastung auf die Tourengebiete zukommt. Durch den Wegfall des üblichen Pistenrummels wird es wohl Verlagerungen in den Skitourenbereich geben. So gilt es diesen Winter noch mehr, auf die zuvor beschriebenen Umweltbedingungen zu achten.

Das Abstandsgebot macht es erforderlich, dass die Winterräume der Berghütten aufgrund ihrer Schutzfunktion zwar offenbleiben, allerdings nur für absolute Notfälle. Geplante Übernachtungen sind nicht erlaubt. Dies führt zu mehr Pendelverkehr in die beliebten Skitourengebiete. Und die Belastungen für kurze, gut erreichbare Touren und deren Pflanzen- und Tierwelt wird größer. Der DAV passt derzeit noch Empfehlungen für diesen Wintersaison an die aktuellen Regelungen und Empfehlungen der Länder bezüglich der Corona-Pandemie an.

Kleine Gruppen bis maximal 6 Personen sind aus Sicherheitsgründen beim Skitourengehen empfohlen. In diesem Pandemie-Winter müssen zusätzlich die aktuellen Regelungen und das Abstandsgebot eingehalten werden. Bild: Torsten Wenzler

 

Text: Alexander Giebler | velonauten

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