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Bike and Climb – die Tiroler Risstrilogie by fair means

Pumprisse, Tschechenplatte und Locker vom Hocker. Die drei Klassiker schlechthin in Sachen Rissklettern im Tiroler Kalk. Jede einzelne hat ihre persönliche Geschichte zu erzählen und gemeinsam bilden sie eine Art Trilogie an alpinen Kalk-Risskletter-Testpieces. Der Wunsch alle oder zumindest eine davon einmal zu klettern steht auf so einigen Kletterer-ToDo-Listen.

Unser Ziel: Alle drei Routen, in drei aufeinanderfolgenden Tagen by fair means onsight zu klettern. Also 3 Tage, 3 Trad-Klassiker zwischen denen einige Kilometer vom Wetterstein bis hin zum Wilden Kaiser mit Bike und Zug zurückgelegt wird.

 

Radfahrer mit Kletterausrüstung
Mit dem Rad im Hinterautal. Bild: Lensecape

Die Protagonisten: Hannes Hohenwarter und Martin Sieberer.

Wir sind beide Wahl-Innsbrucker, angehende Bergführer und immer auf der Suche nach neuen Abenteuern und Herausforderungen. Die Idee der TRILOGIE schwebt schon seit einigen Jahren in unseren Köpfen. Für die Umsetzung so eines Projekts müssen einfach einige Faktoren zusammenspielen. Einerseits braucht es die nötige Fitness, körperlich wie mental, um den Klettertouren und gleichzeitig den Strapazen gewachsen zu sein. Andererseits müssen die Verhältnisse perfekt passen um die Touren überhaupt frei klettern zu können. Da es sich um Wände verschiedener Expositionen handelt ist das Zeitfenster für gute Conditions an allen Wänden eher klein.

Tag 1: Mit dem Rad zur Kletterroute “Locker vom Hocker”

Kletterer am Einstieg zur Felswand
Am Einstieg von “Locker vom Hocker”. Wer steigt vor? Bild: Lensecape

Im September 2020 scheint alles zu passen und wir starten mit dem Zug nach Seefeld um das Abenteuer zu starten. Am 1.Tag steht die Tour „Locker vom Hocker (8)“ auf dem Programm. Erstbegangen 1981 von Wolfgang Güllich und Kurt Albert stellt die Tour eine der ersten alpinen Touren im 8.Grad dar. Spektakulär zieht die Route durch den steilsten Teil des Plattenpanzers und lässt jeden Kletterer vor Ehrfurcht erstarren. So locker wie der Name vermuten mag läufts dann doch nicht. Die erste Länge stellt einen feinen 45m langen Riss dar, welcher beinahe clean und nicht einfach abzusichern ist. Mentale Stärke erfordert ebenso die Schlüsselseillänge welche mit einer plattigen Stelle aufwartet. Es läuft. Wir können die Tour im Team-Onsight klettern uns seilen zum Wandfuß ab. Erste Hürde: check!!

Tag 2: Weiter zur “Tschechenplatte”

Kletterer in Felswand
Martin in der 1. Seillänge. Bild: Lensecape

Voller Motivation und Tatendrang geht’s über Scharnitz und Isarursprung weiter auf das Hallerangerhaus. Vollbepackt mit schweren Bikes kommen wir kurz vor Sonnenuntergang an. Ein langer Tag geht zu Ende und ein noch längerer sollte folgen. Next Stop: Tschechenplatte (8-). Ein Meisterwerk der Natur. Ein Kalkriss der seinesgleichen sucht. Erstbegangen 1979 vom tschechischen Trio Novak, Krupka, Doubal wurde sie 1984 erstmals von Local Heinz Zak rotpunkt geklettert.

Zwei Kletterer in der Felswand
In der 2. Seillänge der “Tschechenplatte”. Bild: Lensecape

Die Route befindet sich unweit der Hütte, was den morgendlichen Aufstieg immens erleichtert. Leider sind die Risse nach dem Starkregen der letzten Wochen immer noch teils nass und die Wand feucht. Die 2. Länge stellt gleich die Schlüssellänge dar und ich hänge bald mit Kaltpump 5m unter der letzten Sicherung. Abseilen – Seil durchziehen and once again. Diesmal klappts wobei die Kletterstelle bei feuchten Verhältnissen sicher nicht leichter ist. Die 1. Risslänge sieht ebenso nicht vielversprechend aus. Die ersten 10m mit nasser, moosiger Auflage. Nach zwei Anläufen können wir die Länge punkten und der Weg nach oben ist frei. Schneller geht’s voran mit Tipps von Heinz Zak, welcher sich ebenso in der Wand befindet. Komplett ausgelaugt steigen wir aus und können den 2. Rotpunkt verbuchen.

Kletterer mit Fahrrad in den Bergen
Anstrengend gehts weiter zum Lafatscher Joch. Bild: Lensecape

Erschöpft steigen wir weiter auf zum Lafatscherjoch um über das Halltall nach Absam zu gelangen. Da schon später Nachmittag angebrochen war, entscheiden wir uns für die Weiterfahrt mit dem Zug bis Kufstein. Die Verschnaufpause war bitternötig.

Tag 3: Klettern an den Pumprissen

Von Kufstein aus geht’s über das Kaisertal auf das Stripsenjochhaus. Der Aufstieg ist gefühlt ein Martyrium und mehr schlecht als recht kommen wir gegen 21.00 bei unserem Stützpunkt an. Viele Worte werden nicht mehr verloren.

Wie vom Zug überrollt stehen wir um 7.00 wieder auf der Matte. Nach einem ausgiebigem Frühstück steht die letzte Hürde auf dem Programm: die „Pumprisse (7)“. Die erste Route, die mit dem 7. Grad bewertet wurde. Erstbegangen von Helmut Kiene und Reinhard Karl im Jahr 1977 entwickelte sich die Route zum Testpiece im Freiklettern.

Kletterer im Vorstieg
Martin in der 3. Seillänge der “Pumprisse”. Bild: Lensecape

Schon einigen hat diese Tour das Fürchten gelehrt. Und wir wollen diese Tour im Halb-Zombiemodus klettern?? Die ersten Zustiegslängen sind sehr mühsam, da auch feucht und wir nur halb anwesend. Den Zustiegsquergang überwinden wir technisch um endlich im Hundebahnhof einzuchecken. Eine unangenehme, leicht ehrfürchtige Nervosität umgibt uns. Unter uns 100m Überhang und über uns ein überhängender Körperriss. Jeder von uns gibt sich die Ehre. Nach zwei Friend-Testungen sind wir beide wieder voll da. Im 2. Versuch gelingt mir die Länge und der Weg nach oben ist offen. Länge für Länge klettern wir ab sofort im Team-Onsight durch und schaffen auch die letzte der drei Routen rotpunkt. Überglücklich steigen wir oben aus mit dem Wissen, etwas Außergewöhnliches geschafft und alles gegeben zu haben.

Das Bike and Climb Video zur Tiroler Risstrilogie

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