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Auf den Spuren von Pachamama

Unser ganz persönliches Radabenteuer durch das ursprüngliche Bolivien 2015 —- La Paz, die Stadt mit dem höchsten Regierungssitz der Welt auf 3.650 m, ist eine Stadt die traditionelles mit modernem perfekt kombiniert. Auf der einen Seite sieht man die Marktfrauen mit ihren traditionellen Kleidern verschiedene Waren verkaufen oder mit selbstgemachten Empanadas locken, anderseits ragen die modernen Hochhäuser aus der Mitte der Stadt. Überwältigt von der Gastfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Bolivianer, fühlen wir uns schnell angekommen und gut aufgehoben. Die ersten Tage nutzen wir zum Akklimatisieren, da die Höhe ordentlich zu spüren ist…

Bereit für unser Abenteuer, machen wir uns auf den Weg Richtung des südlichen Yungas. Gleich zu Beginn geht es hinauf auf den 4.725 m gelegenen „La Cumbre“-Pass. Bereits hier hat uns die Natur in Ihren Bann gezogen. Kaum oben angekommen geht es auf einer spektakulären, serpentinenreichen Abfahrt 3.000 m hinab durch alle Klima- und Vegetationszonen Südamerikas in das Beni-Becken. Der Übergang zwischen dem Hochland der Anden und dem tropischen Tiefland ist atemberaubend.

Die darauffolgenden Tage geht es bergauf-bergab durch eine üppige Vegetation. Große Farne wechseln sich mit Bambus und tropischen Sträuchern ab. Die Dorfbewohner sind sehr aufgeschlossen und freundlich. Die landestypische Küche, wie z. B. eine leckere Quinoa Suppe oder Hähnchen, schmecken nach einem anstrengenden Tag vorzüglich.

Wir verlassen die Yungas über einen langen, asphaltierten Aufstieg auf den „Abra Tres Cruces“ Pass (4.729 m). Die Landschaft ändert sich schlagartig. Eine Kombination aus bunten Lichtspielen und karger Landschaft machen diese Gegend zu etwas Besonderem. Die Dörfer bestehen meist aus einfachen Lehmhäusern und das Dorfleben findet auf der Straße statt. Es gibt in jedem Dorf einen Marktplatz mit einer Kirche, wo eine Frau in Ihrem Töpfen Suppe, Lamafleisch, Reis, Kartoffeln oder Nudeln anbietet. Dieses einfache aber herzliche Leben fühlt sich richtig gut an.

Die Landschaft wird wieder grüner und wir kommen in die Ortschaft Choquecota. Diese Region ist bekannt für ihre verschiedenen Lamazüchtungen. Von kurzhaarigen bis Teddybär ähnlichen Lamas mit ihren bunten Bändern in den Ohren, kann man hier alles bestaunen. Die Lamas bilden inmitten der grünen Flusslandschaften mit den weißen Schneebergen im Hintergrund ein unglaublich harmonisches Bild. Fasziniert von Land und Leuten haben wir uns endgültig in das indigene Volk der Anden verliebt.

Wir erreichen die Gegend um den höchsten Berg Boliviens den „Sajama“ (6.542 m). Von hier aus versuchen wir den Vulkan „Acotango“ (6.052 m) zu besteigen. Die Anfahrt ist atemberaubend schön aber auch sehr anstrengend mit unseren komplett beladenen Fahrrädern. Als wir dabei sind ein Basislager auf 5.200 m zu errichten, zieht eine Schlechtwetterfront auf und wir verharren die nächsten 15 Stunden bei Schneefall und heftigem Wind in unserem Zelt. Der nächste Tag beginnt sonnig und wir sind voller Zuversicht, den Vulkan besteigen zu können. Als jedoch auf 5.800 m die nächste Schlechtwetterfront heranzieht, müssen wir die Besteigung abbrechen. Aber wir sollten auf dieser Reise noch eine zweite Chance bekommen, einen Vulkan zu besteigen.

Über holprige und sandige Strassen geht es zu einem weiteren Naturschauspiel. Wir durchqueren den Salar de Coipasa und den größten Salzsee der Welt, den Salar de Uyuni. Überwältigt von der Größe und dem strahlenden Weiß der Salzkristalle, können wir es kaum glauben, in welch eine surreale Welt wir uns hier begeben. Den Salar de Uyuni mit dem Rad zu befahren ist ein absolutes Highlight und für uns geht ein Traum in Erfüllung.

In Uyuni entschließen wir uns, nicht die klassische Lagunen-Route Richtung Süden zu fahren, sondern wählen eine einsame und sehr abgelegene Strecke über den hohen Altiplano. Dieser Teil unserer Reise ist sicherlich der härteste. Wir bewegen uns die nächsten zehn Tage auf einer Höhe zwischen 4.200 m und 5.000 m. Hinzu kommt noch ein starker Wind, der über die Ebene fegt, zahlreiche steile Pässe und die immer schlechter werdende „Piste“, die uns fordert. Leider wird auch das Essen immer spärlicher. Tags ist es um die 15° Grad warm bei strahlender Sonne, doch sobald die Sonne untergeht, fallen die Temperaturen auf bis zu -15° Grad und der Wind fegt uns an manchen Tagen fast davon.

Nach ein paar Tagen erreichen wir den kleinen Ort „Quetena Chico“ am Fuße des Vulkans Uturuncu. Hier wollen wir nochmals eine Vulkanbesteigung versuchen, und zwar diesmal mit dem Fahrrad bis zum Gipfel. Bei Temperaturen weit unter 0° geht es um fünf Uhr morgens in Richtung Vulkan. Der Uturuncu liegt auf einer Höhe von 6.018 m in der südlichen „Cordillera Lipez”. Ein Minenweg führt bis auf ca. 400 m unterhalb des Gipfels und ist großenteils befahrbar. Die restlichen Meter muss man das Rad tragen. Eine Herausforderung, die sich definitiv ausgezahlt hat, ein unbeschreibliches und unvergessliches Erlebnis. Überwältigt von den Gefühlen, scheint die Zeit still zu stehen. Auf dem Weg zurück wartet noch eine lange und technisch anspruchsvolle Abfahrt nach Quetena.

Die wunderschöne Landschaft entschädigt uns immer wieder für die abverlangten Strapazen. Das prächtige Farbenspiel, wenn der Blick über die Hochebene gleitet, und die Lagunen mit ihren stolzen Flamingos lassen einem den Atem stocken.

Wir verabschieden uns von dieser beeindruckenden Landschaft Boliviens und überqueren die Grenze nach Argentinien, wo unser Abenteuer nach fünf Wochen in ‚Salta“ endet.

Bolivien ist ein faszinierendes Land und hat einem Radreisenden viel zu bieten: Atemberaubende Landschaften, kulturelle Highlights, herzliche Gastfreundschaft und vieles mehr. Eins steht fest, so schnell werden wir diese Reise nicht vergessen!

 

Bildergalerie:

 

Text und Fotos: Claudia Kremsner und Markus Micheler

 

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